Nullzeit und Dekompression
Die Nullzeit ist ein sehr wichtiger Zeitpunkt beim Tauchen. Nach Ablauf der Nullzeit muss ein Taucher nach den festgelegten Dekomprimierungsstufen "austauchen" und darf nicht auftauchen ohne diese einzuhalten. Er läuft sonst Gefahr einen Dekomprimierungsunfall (Gasblasenbildung durch überschüssiges Inertgas) zu erleiden, der auch tödlich sein kann. Innerhalb der Nullzeit kann ein Taucher ohne Deko-Stopp langsam auftauchen. Ein Sicherheitsstopp von 3 Min. auf 3 m wird allerdings immer empfohlen.

Die Nullzeit ist abhängig von der Tauchtiefe. Je tiefer man taucht, desto kürzer wird die Nullzeit. Ab einer Tiefe von 51 Metern, gibt es im Prinzip keine Nullzeit mehr.

Beim Tauchen geschieht Folgendes:

Durch den steigenden Druck mit zunehmender Tiefe (ca. 1 bar / 10 Meter) löst sich, der in der Atemluft enthaltene Stickstoff, durch die Kapillarmembranen ins Blut.

Das Henry-Gesetz besagt, dass die Menge des in einer Flüssigkeit gelösten Gases in direktem Verhältnis zum Druck über der Flüssigkeit steht. Das heißt beim Tauchen nichts anderes, als daß der Anteil des Stickstoffs im Blut mit zunehmender Tiefe (Druck) ansteigt. Je länger man sich diesem Druck aussetzt, desto höher wird die Anreicherung in den Geweben. Dies geschieht in verschiedenen Geschwindigkeiten, je nach Durchblutungsgrad. Im gut durchbluteten Gehirn geschieht dieses viel Schneller, als z.B. in den Gelenken. Beim Auftauchen geschieht nun das eigentlich Wichtige. Beim Aufstieg des Tauchers an die Wasseroberfläche nimmt der Druck wieder ab. Der Stickstoff wird über das Blut zu den Lungen transportiert und dort abgeatmet. Der Körper kann diesen Vorgang allerdings nur in einer bestimmten Geschwindigkeit leisten. Verschiede Faktoren können die Entsättigung der Gefäße noch zusätzlich verlangsamen.

- Tabakkonsum
- Lungenerkrankungen
- Müdigkeit
- Flüssigkeitsmangel
- Diabetes
- Fettleibigkeit
- Alkoholgenuss

Kommt der Körper mit der Entsättigung (dem Abatmen des Stickstoffs) nicht mehr nach (durch nicht einhalten der Deko-Stopps und/oder zu schnelles Auftauchen), bilden sich kleinste Bläschen in den Gefäßen, die schwerwiegende Folgen haben können. Man kann das mit einer Sprudelflasche vergleichen, die man öffnet. Nimmt der Druck durch das Öffnen der Flasche ab, perlt das Wasser aus.

Setzen sich diese Bläschen dann in der Blutbahn ab, verhindern sie die Durchblutung an verschiedenen Stellen im Körper. Bei Bläschenbildung im Gehirn oder im Rückenmark, führt dies schnell zu Lähmungen, Atemstillstand und zum Tode.

Die wichtigsten Erste-Hilfe Maßnahmen nach einem Tauchunfall dieser Art sind:

- Die Gabe von reinem Sauerstoff (extrem WICHTIG)
- Seitenlage, keine Schocklagerung. Diese verstärk den sowieso schon erhöhten Hirndruck
- Kälteschutz
- Notarzt verständigen
- Notarzt auf jeden Fall über Tauchunfall informieren
- Druckkammerbehandlung mit hyperbaren Sauerstoff

Die Ausprägung der Dekomprimierungskrankheit ist verschieden. Leichte Dekokrankheiten (Typ I) äußern sich mit einem verstärkten Juckreiz durch die Bläschen unter der Haut. Auch eine leichte bläuliche Verfärbung der Haut ist möglich, sowie Schmerzen in den Gelenken, bevorzugt in den Knien.

Beim Typ II sind Innenohrembolien, Halbseitenlähmungen, Bewusstseinsstörungen, Empfindungsstörungen in den Extremitäten etc. Anzeichen für die Schwere der Dekokrankheit. Dazu kommt noch eine starke Bewegungseinschränkung der Gelenke.

Ein schwerer Fehler wäre es, den Taucher wieder abtauchen zu lassen, mit der Absicht den Druck wieder zu erhöhen, um die Gasbläschen physikalisch zu verkleinern. Die "nasse Rekompression" ist lediglich theoreitsch möglich und würde dem Taucher mehr schaden, als wenn man ihn auf dem Boot oder an Land behandeln würde.

Um diesen Unfall zu verhindern, sollte jeder Taucher eine Deko-Tabelle (Abb. 1.1, 1.2) mit sich führen und auch wissen, wie man sie liest. Das gilt auch für "gut ausgerüstete" Taucher mit Tauchcomputer.

Thema Sauna nach dem Tauchen:
Je nach Region und Wetter ist man in der Regel ziemlich ausgekühlt, wenn man aus dem Wasser steigt. Was gäbe es Angenehmeres, als nun in eine heisse Saune zu steigen. Davon ist allerdings abzuraten. Man sollte einen Saunagang wie einen Flug betrachten. Der Abbau des Stickstoffs im Blut findet auch noch Stunden nach dem Auftauchen statt. In einer heissen Sauna weiten sich die Gefäße und kleinste Bläschen können nun auch bis dort vordringen. Beim Austritt aus der Sauna oder gar einer kalten Dusche danach, verkleinern sich in kürzester Zeit die Gefäße und schließen die Gasbläschen ein. Auch das kann gefährlich sein, mir ist allerdings noch kein Fall bekannt, wo dies passiert ist. Trotzdem sei es an dieser Stelle erwähnt.



Abb. 1.1


Abb. 1.2